Teil II - Akupunktur beim Pferd

Teil II - Akupunktur beim Pferd

Die 5 Elemente. Im alten China verließen sich die Ärzte auf ihre fünf Sinne: sehen, riechen, tasten, schmecken und hören, um Krankheiten zu diagnostizieren. Aufgrund ihrer genauen Beobachtungen beschrieben sie Analogien zwischen den Eigenschaften der Natur und der Körperfunktionen. Aus diesen Ähnlichkeiten der Natur und der Körperfunktionen entwickelten sie die Lehre von den 5 Elementen. Die 5 Elemente sind: Feuer, Erde, Metall, Wasser und Holz.

 

Das Meridiansystem. Es besteht aus 12 Haupt- und acht außerordentlichen Leitbahnenwelche auf inneren und äußeren Bahnen den Pferdekörper durchlaufen. Jeder Meridian ist einem Funktionskreis der 5 Elemente zugeordnet. Auf den Meridianen liegen die Akupunkturpunkte die zur Behandlung herangezogen werden.

 

Die Sprache der TCVM. Die Akupunktur ist ein eigenständiges, komplexes, in sich schlüssiges Therapiesystem mit weitreichenden Möglichkeiten. Es steht der Veterinärmedizin nicht entgegen, sondern vielmehr als eine weitere Therapieform neben ihr. Es ist also keine Entscheidung für das eine oder das andere System zu treffen, sondern beide können sehr gut kombiniert werden. Chinesisch ist nicht nur eine Fremdsprache, chinesisch hat den Hintergrund einer uns fremden Kultur mit anderen Denk-Schemata. Es ist eine bildreiche Sprache und die TCM-Diagnosen sind so bildhaft wie die Sprache selbst. Viele der verwendeten Ausdrücke erscheinen fremdartig und blumig. Bei den Therapeuten ist die Rede von Begriffen wie Yin und Yang, Fülle und Leere, Qi, Xue und Jing. Man hört Diagnosen wie 'aufsteigendes Leber-Feuer', 'Essenz-Schwäche der Niere' oder 'Rebellierendes Magen-Qi'. In der westlichen Medizin gibt es nichts Vergleichbares, weshalb es für manche Pferdebesitzer anfangs schwierig ist, sich in die Grundgedanken der traditionellen chinesischen Medizin zu versetzen.

 

Die bildhaften Vorstellungen in der TCVM. Der Begriff Krankheit im Sinne des westlichen Denkens existiert in der TCVM nicht. Hier spricht man von einem Ungleichgewicht oder einer Disharmonie. Eine Krankheit wird niemals isoliert gesehen, sondern immer im Gesamtzusammenhang betrachtet. Sie wird als Folge von Störungen, Mangel oder Fülle von Yin und Yang, dem Qi in den Funktionskreisen oder auf den Energie-Leitbahnen gesehen. Behandelt werden nicht nur die Symptome, sondern das ganze Pferd. 
Sehen wir uns ein Disharmoniemuster genauer an: 'Leber-Feuer, das in die Augen aufsteigt' – das könnte eine chinesische Diagnose für eine akute Bindehautentzündung sein. Das hört sich anfangs schon etwas befremdlich an, doch denken wir einfach mal bildlich, wie es in der chinesischen Philosophie ganz selbstverständlich ist, wird es klarer. Was verbinden wir mit Feuer? Heiß, rot - und so sehen auch die Augen sowie die Bindehäute eines Pferdes aus, wenn es eine Bindehautentzündung hat. Doch was hat die Leber mit den Augen zu tun? Die TCVM sagt: Die Leber öffnet sich im Auge. Somit können sich bestehende Disharmonien imÖffner des Funktionskreises zeigen. Aber vermuten Sie bei der nächsten Bindehautentzündung Ihres Pferdes keine kranke Leber, denn der Begriff Leber geht in der TCVM viel weiter und beinhaltet bei weitem nicht nur das Organ. Die Leber hat in der chinesischen Sichtweise eine Reihe von Aufgaben zu erfüllen, beispielsweise speichert sie das Blut, um die Muskulatur, Sehnen, Bänder und Hufe stark sowie geschmeidig zu halten. Somit könnte auch eine verspannte Muskulatur des Pferdes ein Zeichen für eine Disharmonie der Leber sein. Das Disharmoniemuster bezieht sich rein auf den Energiefluss und die Funktionen, die in der TCVM dem Funktionskreis Leber zugeschrieben wird.

 

Morgen geht es mit folgenden Themen weiter: Organe in der TCVM und Erhaltung der funktionellen Harmonie – Die Regulation.

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